Mittwoch, 16. Januar 2013

Instinktmodell nach Konrad Lorenz



Zur Person
Konrad Lorenz ist am 07.11.1903 in Wien geboren und starb am 27.02.1989. Er war Zoologe und galt als einer der Hauptvertreter der klassischen Verhaltensforschung (Ethologie)und nannte sein Forschungsgebiet „Tierpsychologie“. Gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen wurde ihnen der Nobelpreis in Medizin für ihre Entwicklung bezüglich des Aufbaus und die Auslösung von Individuellen und sozialen Verhaltensmustern zugesprochen 

Definition
Die Ethologie, welches ein Teilgebiet der Biologie ist, befasst sich mit der Beobachtung, Erforschung und der Analyse des Verhaltens von Tieren  Dies bezeichnet man als die wissenschaftlichen Verhaltensuntersuchungen von angeborenen oder angelernten Gewohnheiten. Sie beinhaltet die Untersuchungen von angeborenen Verhaltensweisen und Verhaltensweisen, die stark von inneren Bedingungen beeinflusst werden. Es werden innere Ursachen betrachtet und die klassischen Ethologen versuchten meist möglich natürliche und artgerechte Beobachtungssituationen zu schaffen. Besonderes Interesse widmeten sie auch den evolutiven und ultimaten Ursachen der Verhaltensweisen. Ein Beispiel dafür ist auch der Versuch Lorenzs, der Graugänse, die er unterschiedlich aufzog um ihr Verhalten zu vergleichen und zu analysieren. Er ist einer der wichtigsten Vertreter und Mitgründer der Ethologie.
Ein weiteres Beispiel
Silbermöwenküken, so wollte Tinbergen bei Attrappenversuchen herausgefunden haben, erkennen ihre Eltern am roten Fleck auf dem gelben Schnabel und betteln um Futter, indem sie diesen anpicken. Hält man ihnen einen Vogelkopf aus Pappe mit grünem Schnabelfleck vor, betteln die Küken rund ein Drittel weniger. Fehlt der Fleck ganz, geht die Reaktion gar um drei Viertel zurück. Ein roter Schnabel tut es auch, auf andere Schnabelfarben sprechen die Tiere nur halb so häufig an. Die Kopffarbe spielt hingegen keine Rolle: ob grün oder blau, ob schwarz oder weiß, immer picken laut Tinbergen die Küken zu, wenn nur der Schnabel einen roten Fleck trägt. Dieses Verhalten ist nach Tinbergen den Jungvögeln angeboren, sie reagieren auf einen Schlüsselreiz. Ein solcher Schlüsselreiz sei unverwechselbar und in der natürlichen Umwelt des Tieres sehr spezifisch, so die Theorie. Andernfalls nämlich würden Jungtiere auf alle möglichen Reize in ihrer Umgebung reagieren und könnten so leicht zur Beute werden.
Vorwort
In der Ethologie spricht man nicht von „Instinkt“  sondern von „Instinktverhalten“. Dies bezeichnet innerhalb der ethologischen Theorie der Instinktbewegung eine angeborene Verhaltensweise, die aus gegeneinader abgrenzbaren Grundbausteinen des Verhaltens aufgebaut ist. Die Instinktbewegung, die auch Erbkoordination genannt wird, wird durch einen Schlüsselreiz ausgelöst und kann so lange ablaufen, wie eine innere Handlungsbereitschaft vorhanden ist. Diese Theorie wurde erstmals 1937 von Konrad Lorenz formuliert. Als Beleg, dass eine Verhaltensweise angeboren ist, gilt unter anderem die Reifung, somit ihre Vollkommenheit, im Verlauf der individuellen Entwicklung.
Bausteine des Instinktverhaltens (genauer : Instinktbewegung)

  •  Angeborenes Erkennen einer auslösenden Situation –  Schlüsselreiz
  • Aktivierungsmechanismus
  • Bewegungskomponente
  • Aktionsspezifische Erregung – innerer Antrieb für die Bewegungskomponente 

Instinktmodel
Die Instinkttheorie wird als ein Gesamtkonzept bezeichnet, mit dessen Hilfe sie beobachten können, ob das Verhalten der Tiere durch klar gegeneinander abgrenzbare Instinkte verursacht und gelenkt werden. Zum einen kann man die Ergebnisse der Beobachtung mit anderen Beobachtungen in Beziehung setzten und dadurch Zusammenhänge zwischen völlig unterschiedlichen Lebewesen entdecken. Zum anderen könne man aus den Grundannahmen einer Theorie Gesetzmäßigkeiten ableiten, die einen neuen Raum für Fragen und Experimente öffnet.
Das psychohydraulische Instinktmodell
Mit diesem Modell will Lorenz das „Prinzip der doppelten Quantifizierung“ veranschaulichen. So seien Instinktbewegungen ein Ergebnis der spontan ansteigenden Handlungsbereitschaft, somit wäre das der Wasserstand im Gefäß, welches von einer im Nervensystem produzierten aktionsspezifischen Energie, der Zufluss, gespeist wird. Die Instinktbewegung, das abfließende Wasser, wird normalerweise durch ein Schlüsselreiz, das Gewicht, ausgelöst. Da wir hier aber eine Reizschwelle, die Feder, die das Ventil gegen die Abflussöffnung drückt, zu überwinden haben, vermittelt noch ein angeborener Auslösemechanismus zwischen Reiz und Reaktion.                                       
Somit besteht ein Zusammenhang zwischen Reiz und Reaktion



  •  Desto stärker ein Reiz, desto stärker fällt die Reaktion aus
  •  Desto stärker der innere Antrieb, die Motivation, desto stärker fällt die Reaktion aus
  • Dennoch kann durch einen starken Reiz eine Reaktion ohne Motivation ausgelöst werden
  •  Doch durch hohe Motivation kann auch bei fehlendem Reiz eine Reaktion auslösen
Beispiel:

Die Aufnahme von Nahrung ist abhängig von 2 Faktoren:

  • Äußere Bedingungen, wie Attraktivität der Nahrungsmittel
  • Innere Bedingung, wie das Hungergefühl

Bei großem Hunger wird auch das unattraktivste Nahrungsmittel aufgenommen, dennoch bei kleinem Hunger wird nach attraktiven Nahrungsmitteln gesucht.
Wenn man längere Zeit diese Instinktbewegung nicht durchführt, wird der Organismus in Unruhe versetzt und es veranlasst ihn, aktiv nach den auslösenden Reizkombinationen zu suchen. Lorenz bezeichnet dieses Verhalten als Appetenzverhalten, benannt nach dem englischen Begriff „appetitive behaviour“. Ist diese Suche nicht erfolgreich , staut sich nach Lorenz  aktionsspezifische Energie so auf, dass die Instinktbewegung auch ohne auslösendem Schlussreiz ausgeführt wird. Dies beschrieb Lorenz als erster und nennt es den „Leerlaufhandlung“.
Die Übersprungbewegung
In vielen Konflikten treten Verhaltensweisen auf, die für den Beobachter als unpassend oder deplatziert scheinen. Hähne unterbrechen gelegentlich ihren Kampf und picken auf den Boden, obwohl keine Nahrung vorhanden ist. Austernfische stecken beim Anblick ihres Spiegelbildes ihren Schnabel ins Gefieder und schlafen ein. Solche, für uns unsinnige Handlungen wurden als Übersprungbewegung bezeichnet. Durch die gegenseitige Hemmung gleichstarker Antriebe für 2 Verhaltensweisen sollte eine 3. Möglich werden. Man geht davon aus, dass das gezeigte „unsinnige“ verhalten für das Tier durchaus eine Bedeutung haben kann und somit seine Erfolgschancen erhört werden.  

Das Instinktmodell nach heutiger Sicht
Spätestens nach den 70er Jahren wurde durch die Neuropsychologie und der Hirnforschung deutlich gemacht, dass die Steuerung von Verhalten wesentlich komplexer ist, als das Modell von Lorenz darstellt. Denn Klaus Immelmann, ein Professor für Verhaltensbiologie, warnte bereits 1986:
„Selbstverständlich darf ein solches Instinktmodell aus der Frühzeit der vergleichenden Verhaltensforschung – was häufig vergessen wurde – wirklich nur als Modell verstanden werden. Es vermag keineswegs eine echte Erklärung der zugrundeliegender Vorgänge zu geben und soll lediglich darauf hinweisen, dass es im Verhalten über – und untergeordnete Instanzen gibt“
(Klaus Immelmann 1986)
Quellen
Natura – Neurobiologie und verhalten

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